Geschichte

Die Geschichte des Leuchtturms Roter Sand

Hier steht er: sechs Seemeilen nordöstlich der Insel Wangerooge, mitten in der Nordsee, den Teils stürmischen Wetter ausgesetzt. Der schwarz-weiß-rote Turm ist mit seiner Erscheinung zurecht als Leuchtturm aller Leuchttürme in aller Munde.

Seine erzählbare Geschichte begann bereits im 19. Jahrhundert. Zunehmender Schiffsverkehr machte die Setzung des Leuchturmes mit immer besseren Seezeichen notwendig. Das preußisch-bremisch-oldenburgische Tonnen- und Bakenamt schlug aus wirtschaftlichen Gründen den Bau eines Leuchtturmes vor, nachdem die Anregungen, ein weiteres Feuerschiff in der Wesermündung auszulegen, getätigt wurde.

Für die Ausarbeitung der Pläne zum Bau des Leuchtturms wurde im Jahr 1878 der Bremerhavener Baurat Hanckes betraut. Ein navigatorisch günstiger Standort wurde gewählt. Eine Untiefe der Nordsee, innerhalb der Wesermündung, wurde für den Bau des Leuchturmes Roter Sand auserkoren.

Der feinsandige Untergrund war eine Herausforderung, die durch die damaligen Ingenieure bewältigt werden musste. So wurde für eine neue Lösung, der sogenannten Caissongründung, entschieden. Dabei wird ein stählender Kasten auf den Meeresboden abgesenkt und der darunter befindliche Sand abgebaut. Der Kasten versinkt dabei in den Boden und der Aufbau des Leuchturmes kann darüber hinaus getätigt werden.

Die eigentlichen Arbeiten begannen Ende des Jahres 1880. Beginnend mit dem Bau des Senkkastens, der dann ein halbes Jahr später am Bestimmungsort im Meer niedergelassen wurde.

Ein Herbststurm vereitelte jedoch die weiteren Baumaßnahmen. Der Caisson wurde durch die durch die unruhige See bedingt durch dem Sturm zerschlagen.

Erst drei Jahre später, im Jahr 1883 wurde ein neuer Versuch gestartet und eine knappe halbe Seemeile nördlicher die Bauarbeiten begonnen. Die nachfolgenden Herbststürme unterbrachen zwar den eigentlichen Bau des Turmes, sie konnten dem Stahlkörper jedoch nichts anhaben. Im Jahr 1885 verlief die Bauarbeiten planmäßig und zügig.

Im Bautagebuch des Baumeisters Körte entdeckt man heute drei Kreuze. Für die schwere Arbeit, die unvorstellbar in den unruhigen Gewässern mit peitschendem Wellen und brausendem Wind erledigt wurde.

Am 01.10.1885 ist der Leuchturm Roter Sand durch den Leuchtturmwärter Düsmann um Mitternacht entzündet worden. Die zweidochtige Öllampe stand nun als das wichtigste Ansteuerungssignal der Seefahrer in der Aussenweser. Darüber hinaus zugleich das erste Offshore-Bauwerk der Welt.

Der Leuchturm Roter Sand besteht aus insgesamt vier Etagen und dem Laternenaufbau. Direkt über dem Eingangsgeschoss, der als Lagerraum diente, befindet sich ein Schlafraum mit 9 Kojen. Im dritten Geschoss befindet sich ein Aufenthaltsraum mit eingerichteter Küche. Ganz oben befindet sich der mit den charakteristischen drei Erkern ausgebaute Dienstraum.

Das Leben der drei Leuchtturmwärter von Roter Sand war nicht einfach. Ganz im Gegenteil: Eintönigkeit und Härte waren an der Tagesordnung. Nicht selten wurde die Leuchturmbesatzung erst Wochen später abgelöst aufgrund schweren Wetters. Gelegentlich warf sich das nordische Gewässer tosend gegen den stählernden Körper, sodass die um ihr Leben fürchteten. Besonders die Winterzeit war für die Leuchtturmwärter extrem unangenehm, denn schließlich gab es keine Heizung, die den Turm erwärmt hätte.

Der Leuchtturm warnte ganze 79 Jahre vor dem gefährlichen Riff und leitete die Schiffe mit seinem Haupt und Quermarkenfeuer den Weg Richtung Bremen und dem Bremerhaven. Für viele Auswanderern war der Leuchturm der letzte Anhaltspunkt und „Abschiedsplatz“ des Kontinents und für viele Seeleute ein Symbold der sicheren und glücklichen Heimkehr.

Untersuchungen am Sockel Ende der fünfziger Jahre zeigten Schäden am Fundament. Ein Ausbau und Aufnahme einer Radaranlage erschien nicht durchführbar. Aufgrund der Veränderung des Fahrwassers und der nicht Erweiterungsfähigkeit des Leuchtturmes führte zum Bau des Leuchtturms „Alte Weser„. Mit dem Dienstbeginn der „Alte Weser“ war das Ende des gelöschten Feuers von Roter Sand besiegelt. Langfristig würde der Turm in der tobenden Umgebung von der rauen See zerschlagen werden.

Das Interesse der Öffentlichkeit war jedoch so hoch, dass die Bürger von Bremen mit Hilfe verschiedener Vereine und des Bremerhavener Magistrats die Sanierung sicherstellten. Mit der Bereitstellung der notwendigen Mittel und der Unterstützung des Landes Niedersachsen wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt und nachhaltig saniert.

Im Jahr 1987 wurde das Fundament mit einer Manschette stabilisiert. Das spektakuläre Überstülpen der Manschette ist nachhaltig in die Geschichte des Leuchturms eingegangen. Die Außenhaut wurde 1989 mit einem neuen Anstrich versehen und in der nachfolgenden Zeit wurden die Innenräume instand gesetzt.

Ab dem Jahr 1999 konnten Touristen auf dem Leuchtturm übernachten und das salzige Wasser der Nordsee schmecken.

Detailierte Einzelheiten über alle historischen Ereignisse befinden sich in der Zeittafel.

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