Seekrankheit – die besten Hausmittel dagegen

Seit tausenden Jahren schon fahren die Menschen zur See. Fast genauso alt ist auch die Seekrankheit.  90% aller Seefahrer und Kapitäne werden, laut einer Umfrage, mindestens einmal im Leben seekrank. Wenn also eine Seereise ansteht, ist es besser, darauf vorbereitet zu sein, selbst wenn man vorher noch nie seekrank war. Aber was genau löst das Gefühl, seekrank zu sein eigentlich aus? Und wie kann man dem mit einfachen, natürlichen Mitteln entgegenwirken? Diese und einige weitere Fragen möchten wir hier gerne klären.

Was ist die Seekrankheit

Die Seekrankheit (Nausea Marina) ist eine Unterform der Reisekrankheit (medizinisch: Kinetose). Die Typische Symptome der Seekrankheit beinhalten:

  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • schnelle Atmung
  • schneller Herzschlag
  • Schweißausbrüche
  • Kompletter Kreislaufzusammenbruch (selten)

Die Ausprägung der Seekrankheit kann von Mensch zu Mensch stark variieren. Viele Menschen reagieren auf Seegang zuerst mit Müdigkeit, häufigem Gähnen, leichten Kopfschmerzen und Schwitzen. In der extremen Ausprägung kann es aber auch selten zu einem völligen Kreislaufzusammenbruch kommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die die Seefahrt entlang des Leuchtturm Roter Sand, der heimischen Nordseeküste oder dem Atlantik mit entsprechendem Wellengang führt.

Ursachen für Seekrankheit

Die Ursachen für die Symptome der Seekrankheit sind, einfach gesagt, vor allem widersprüchliche Sinneseindrücke.

Widersprüchliche Informationen ans Gehirn

Unser Gehirn bekommt durch die Bewegung des Bootes sich wiedersprechende Informationen vom Gleichgewichtsorgan im Ohr, den Muskeln und den Augen.

  • Das Gleichgewichtsorgan bemerkt vertikale und horizontale Beschleunigung und nimmt Drehbewegungen wahr und schickt die Informationen, welcher Muskel sich gerade wie bewegt an das Gehirn. So erkennt das Gehirn dann beispielsweise stetig die genaue Position von Beinen und Armen.
  • Das Gegenstück, das all das validiert, ist das menschliche Auge.
  • Auf See widersprechen sich diese Informationen oft. Das Auge sieht eine sichtbare Umgebung (stabiler Boden, gerade Wände usw.), während das Gleichgewichtsorgan eine ständige Bewegung und ein Kippen des Körpers wahrnimmt.

Die Rolle von Histamin

Histamin ist ein wichtiger Signalstoff im menschlichen Körper und es gibt die starke Annahme, dass Histamin bei der Entstehung der Seekrankheit eine wichtige Rolle spielt, sozusagen bei der „Übertragung“ der missverständlichen Informationen, die oben beschrieben wurden.

Ein Artikel im „Journal of Medical Investigation“ [Quelle 1] legt dementsprechend nahe, dass viele der Symptome mit Antihistaminika behandelt werden können (z.B. viele Allergiemedikamente sind Antihistaminika und blockieren quasi diese falschen Signale). Allergiker sollten also auf jeden Fall ihre Allergie-Medikamente auf der Seereise mitführen, denn diese helfen auch dabei, die Seekrankheit wieder loszuwerden. Ansonsten sollte auf Seereisen möglichst auf histaminreiche Nahrungsmittel verzichtet werden (z.B. Salami, Sauerkraut, Schinken, Rotwein, sowie verschiedene Fisch- und Käsesorten).

Beste Hausmittel gegen Seekrankheit

Medikamente sind nicht jedermanns Sache und oft bringen diese nicht unerhebliche Nebenwirkungen oder andere Risiken mit sich. Dementsprechend suchen viele Menschen nach natürlichen Alternativen, oder einfachen Hausmitteln, die jeder zu Hause hat. Aber auch hier ist Vorsicht angebracht. Das Internet ist voll von angeblich wirksamen Hausmitteln. Manche davon sind es tatsächlich, andere sind es nicht, noch andere können sogar gefährlich sein.

Wir möchten daher hier unsere Top-Hausmittel gegen die Seekrankheit vorstellen. Die Aufnahme aller hier gezeigten Mittel basiert einerseits auf Erfahrung, aber vor allem auch auf wissenschaftlichen Studien oder anderen seriösen Quellen. Diese Mittel funktionieren – wissenschaftlich belegt.

Ingwer

Dieses ist eines der Wundermittel der Natur. Es hilft nachweislich gegen sehr viele Dinge. Zum Beispiel ist Ingwer ein effektives natürliches Mittel gegen Sodbrennen, hilft gegen Menstruationsbeschwerden und bei der Bekämpfung von Magengeschwüren. Ingwer ist insgesamt äußerst gesund und ein sehr empfehlenswerter Bestandteil einer gesunden Ernährung. In unserem Fall aber machen wir uns zunutze, dass Ingwer sehr effektiv gegen Übelkeit hilft. verschiedene Studien belegen, dass Ingwer die Symptome der Reisekrankheit stark reduziert [Quelle 2, Quelle 3]. Sowohl das Kauen von frischem Ingwer, Einnahme von Ingwerkapseln oder auch das Brühen von Ingwertee könne sehr effektiv gegen die Symptome der Seekrankheit sein.

Vitamin C

Auch hier gilt – Vitamin C ist insgesamt sehr empfehlenswert und genügend davon sollte Teil einer gesunden Ernährung sein. In Bezug auf die Seekrankheit stellte sich aber bei einer Studie der Deutschen Marine [Quelle 4] heraus, dass die Einnahme von Vitamin C äußerst effektiv ist. Das Vitamin C wirkt als natürliches Antihistamin, blockiert so die Weitergabe der „falschen Signale“ ans Gehirn (siehe oben: Rolle von Histamin) und reduziert so sehr stark die unschönen Symptome.

Akupressur

Der eindeutige Beweis der Forschung steht zwar noch aus, aber es gibt durchaus Studien [Quelle 5, Quelle 6], die uns zeigen, dass Akupressur eine einfache und wirksame Methode gegen die Symptome der Seekrankheit sein kann. Als besonders effektiv zeigten sich Punkte an den Händen, an denen viele Nerven zusammenlaufen – namentlich die Akupressurpunkte P6 und K-K9.

Die Punkte sind einfach zu finden und können durch leichten Druck entsprechend stimuliert werden.

  • Der P6- Punkt (oder Neiguan-Punkt) kann einfach lokalisiert und durch leichten Druck stimuliert werden. Der Punkt liegt drei Fingerbreiten unter dem Handgelenkansatze, genau zwischen 2 Sehnen. Durch die Abstandsmessung mit den Fingern der anderen Hand kann man den Punkt kaum verfehlen. Hierfür gibt es auf dem Markt sogar spezielle Akupressurbänder, die genau diesen Punkt stimulieren sollen.
  • Der K-K9- Punkt liegt zentral auf dem mittleren Fingergelenk des Ringfingers (Handinnenseite). Auch hier sollte immer wieder leichter Druck ausgeübt werden, um die entsprechenden Nerven zu stimulieren.

Weitere Verhaltensregeln zur Vorbeugung der Seekrankheit

Zusätzlich zu den vorgestellten Hausmitteln können auch ein paar Verhaltensregeln dafür sorgen, den Symptomen der Reiseübelkeit vorzubeugen.

  • ✓ Bewegung minimieren und sich am besten in der Mitte des Bootes aufhalten
  • ✓ Flach hinlegen – am besten Schlafen
  • ✓ Nach vorne sehen und auf einen festen Punkt fixieren (z.B. den Horizont)
  • ✓ Frische Luft einatmen
  • ✓ Bei geschlossenen Augen bewusst tief und langsam atmen
  • 🛇 Nicht lesen oder Film schauen
  • 🛇 Keine beweglichen Objekte beobachten (z.B. Wellen)
  • 🛇 Keine schweren Mahlzeiten
  • 🛇 Alkohol und Zigaretten möglichst vermeiden

Fazit zur Seekrankheit

Die Seekrankheit ist äußerst unangenehm für eine betroffene Person. Die Einnahme von Reise-Medikamenten oder sogar Allergie-Medikamenten hilft zwar oft, ist aber nicht jedermanns Sache, da diese auch Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen.

Neben der Einhaltung einer Reihe von Verhaltensregeln zur Vorbeugung, kann der Reisende statt dessen auf einige effektive Hausmittel vertrauen, um die unmittelbaren Symptome schnell zu lindern. Wissenschaftlich als effektiv erwiesen haben sich dabei vor allem Ingwer, Vitamin C und Akupressur.

Quellen

  1. N Takeda, M Morita, A Horii, S Nishiike, T Kitahara, A Uno. Neural Mechanisms of Motion Sickness. J Med Invest. 2001 Feb;48(1-2):44-59.
  2. Daniel B. Mowrey, Dennis E. Clayson. Motion Sickness, Ginger and Psychophysics. The Lancet. Volume 319, Issue 8273, 20 March 1982, Pages 655-657
  3. Han-Chung Lien, Wei Ming Sun, Yen-Hsueh Chen, Hyerang Kim, William Hasler, and Chung Owyang. Effects of ginger on motion sickness and gastric slow-wave dysrhythmias induced by circular vection. American Journal of Physiology. Volume 284, Issue 3, March 2003, Pages G481-G489
  4. Prof. Dr. Reinhart Jarisch. Seekrankheit, Histamin und Vitamin C. Österreichische Ärztezeitung, 10. März 2009, S.32-44
  5. Hu S, Stritzel R, Chandler A, Stern RM. P6 acupressure reduces symptoms of vection-induced motion sickness. Aviation, Space, and Environmental Medicine, 01 Jul 1995, 66(7):631-634
  6. Bertalanffy, Petra; Hoerauf, Klaus; Fleischhackl, Roman; Strasser, Helmut; Wicke, Franziska; Greher, Manfred; Gustorff, Burkhard; Kober, Alexander. Korean Hand Acupressure for Motion Sickness in Prehospital Trauma Care: A Prospective, Randomized, Double-Blinded Trial in a Geriatric Population. Anesthesia & Analgesia: January 2004 – Volume 98 – Issue 1 – p 220-223

Scroll to top